Sammlungsbereiche

Über die Sammlung

Die Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums geht der Geschichte des Körpers und der historischen Umgangsformen mit dem Körper insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart nach. Ihr Fokus liegt auf Deutschland, Teile des Bestands sind aber auch international ausgerichtet. Gesammelt werden Alltagsgegenstände, die der individuellen Körperpflege und -bearbeitung dienten und zeittypische Körperpraktiken belegen. Weiterhin werden Medien und Produkte gesammelt, die in Kampagnen oder Ausstellungen zur Popularisierung von Körperwissen verwendet wurden. Die umfangreichen Fotobestände dokumentieren vor allem die historischen Ausstellungen des Museums.

Der gesamte Bestand umfasst inklusive der Sondersammlungen und Dauerleihgaben etwa 68.000 Objekte. Im digitalen Sammlungskatalog sind aktuell 47.000 Objekte erfasst, wovon ein Großteil online recherchierbar ist. Kontinuierlich wird der Sammlungsbestand erweitert und erschlossen.

Objekte der Sammlung werden vorwiegend in der Dauerausstellung und in den Sonderausstellungen präsentiert; sie stehen aber auch für Nutzungen im Rahmen von externen Ausstellungsprojekten oder für Publikations- und Forschungsvorhaben zur Verfügung. Dieses Angebot wird von Museen und Wissenschaftler aus aller Welt genutzt.

Sammlungsbereich Körperpraktiken

Seinen Körper gesund und fit zu halten, hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Norm entwickelt. Unterschiedlichste Gebrauchsgegenstände dienen diesem Zweck. Im Unterschied zu einer klassischen medizinhistorischen Schwerpunktsetzung werden im Deutschen Hygiene Museum diese Dinge gesammelt, um historische Alltagserfahrungen des Körpers bewahren und rekonstruieren zu können. Fragen nach den Gebrauchsweisen und den Beziehungen der Menschen zu diesen Objekten können gestellt werden. Aus trivialen Alltagsgegenständen werden interessante Museumsobjekte. Die Antworten auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Objekte in diesem Sammlungsbereich, zu dem etwa Fieberthermometer, Hochfrequenzapparate und Bestrahlungslampen, Kondome und Antibabypillen, Prothesen und Implantate, Seh- und Hörhilfen gehören.  

Ausgewählte Spezialsammlungen / Konvolute:

Weiblicher Perückenkopf, um 1700

DIE SAMMLUNG SCHWARZKOPF IM DEUTSCHEN HYGIENE-MUSEUM

In mehr als vier Jahrzehnten hat die Firma Hans Schwarzkopf eine Sammlung zur Geschichte der Haar- und Schönheitspflege aufgebaut und diese im Jahre 1995 dem Deutschen Hygiene-Museum als Dauerleihgabe übergeben. Zu den mehr als 2.000 Objekten der heute zur Henkel AG & Co. KGaA gehörenden Sammlung gehören u.a. Rasiermesser und Kämme, Gerätschaften für den Aderlass, Waschgarnituren und Schminktische, Puderdosen und Duftflakons, Flohfallen und Perückenköpfe, Haarwalze und Dauerwellgerät.  Diese sind Belegstücke von Körperpraktiken verschiedener Kulturepochen - von der Antike über das Mittelalter hin zu Renaissance, Barock, Klassizismus bis zur Moderne. Ein umfangreicher Grafikbestand mit Darstellungen von Berufen wie Bader, Perückenmacher und Parfümeur, mit Frisierszenen aus dem 18. Jahrhundert und anderen Motiven ergänzt die Sammlung auf hervorragende Weise. 

Dauerausstellung, Raum "Schönheit, Haut, Haar"

ZUR AUSSTELLUNG

Publikation

Sehnsucht nach Vollkommenheit - Die Sammlung Schwarzkopf in neuem Licht

ZU DEN PUBLIKATIONEN

Objekt-Recherche (Filtern nach Konvolut)

SAMMLUNG ONLINE

Scherenbrille, um 1800

Scherenbrille, um 1800

Die Sammlung Münchow

Der Zwickauer Augenarzt Dr. Wolfgang Münchow (1923 - 1986) hat dem Museum seine Forschungssammlung zur Geschichte der Augenheilkunde im Jahre 1984 übereignet. Die Sammlung umfasst 1000 Objekte aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, darunter historische Sehhilfen, Diagnose- und Untersuchungsgeräte, Operationsinstrumente, Graphiken, Mandate und Gemälde sowie eine umfangreiche medizinhistorische Bibliothek. Der besondere Wert dieser Sammlung liegt in ihrer Komplexität, denn sie zeichnet nicht nur die wichtigsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Augenheilkunde, sondern auch die publizistischen und kulturgeschichtlichen Dimensionen dieser Geschichte nach.

 
Publikationen

Augenheilkunde - Die Sammlung Münchow

Sammlung Münchow. Forschungssammlung zur Geschichte der Augenheilkunde

ZU DEN PUBLIKATIONEN


Objekt-Recherche

Datenfeld "Konvolut": Sammlung Münchow
SAMMLUNG ONLINE

Unterarmprothese mit Arbeitshaken und -ring, links, 1947

MEDIZIN-HISTORISCHE SAMMLUNG DER TECHNISCHEN ORTHOPÄDIE DITTMER

Die Sammlung hat der Berliner Orthopädiemechaniker Klaus Dittmer über viele Jahre zusammengetragen und 2007 dem Deutschen Hygiene-Museum geschenkt. Die mehrere hundert Objekte bezeugen die Geschichte und Entwicklung der Orthopädietechnik insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber Klaus Dittmer hat seine Objekte immer auch als Zeugnisse der individuellen Schicksale ihrer Nutzer begriffen und viele biografische Daten aufgezeichnet. Die Prothesen und Orthesen, Geh-, Steh- und Sitzhilfen u.a.m. erzählen von einem Leben mit künstlichen Körperteilen, von neuer Mobilität, von Ausgleich und Kompensation, aber auch von selbstbewusster Aneignung und eigensinniger Verwendung, von gesellschaftlichen Hindernissen und individuellem Leid.

Forschungsprojekt
Diese Sammlung bildete den Ausgangspunkt für das dreijährige Forschungsprojekt "Anthropofakte. Schnittstelle Mensch" (August 2013 bis Juli 2016).

ZUM FORSCHUNGSPROJEKT

Publikationen

Körpergeschichten. Eine Sammlung zur Prothetik

Parahuman. Neue Perspektiven auf das Leben mit Technik

ZU DEN PUBLIKATIONEN

Objekt-Recherche

Datenfeld "Konvolut": Medizin-historische Sammlung der technischen Orthopädie Dittmer
SAMMLUNG ONLINE

Panoramakinderwagen, um 1975

SAMMLUNG ZUR KINDERKRIPPE IN DER DDR

Diese Sammlung umfasst fünfhundert Objekte und Dokumente, die aus Dresdner Tageskinderkrippen im Zeitraum von 1950 bis 1990 stammen. Dazu zählen Möbel, Spielzeug, Kleidung, Trink- und Essgeschirr, Gegenstände und Dokumente zur medizinischen Betreuung, zur Gesundheitserziehung und Körperpflege in den Kinderkrippen. Informationstafeln, Wandzeitungen und Krippenchroniken, didaktisches und methodisches Material für die Krippenerzieherinnen sind ebenso Bestandteile des Konvolutes. 

Objekt-Recherche

Datenfeld "Konvolut": Sammlung zur Kinderkrippe in der DDR

SAMMLUNG ONLINE

Anzeige für Odol-Mundwasser, 1911

ODOL-ARCHIV IM DEUTSCHEN HYGIENE-MUSEUM

Im Jahre 2004 schenkte die GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co. KG dem Deutschen Hygiene-Museum das Odol-Archiv. Mehrere tausend Objekte dokumentieren die Werbe- und Produktgeschichte des Mundwassers ODOL und anderer gleichnamiger Produkte von 1893 bis in die 1960er Jahre. Eine Zeitungsausschnittsammlung mit Werbeanzeigen zu ODOL bildet den umfangreichsten Teil des Konvolutes.  Historische Odol-Flaschen, Mundspülgläser, Zahnpastaverpackungen, Werbeaufsteller sowie Emailleschilder, Fotos, Postkarten und Werbefilme kommen hinzu. Das Archiv spiegelt vor allem Marketinggeschichte eines berühmten Produktes und stellt darüber hinaus ein wichtiges Zeugnis der Kulturgeschichte der Körperpflege im 20. Jahrhundert dar.

Publikation
In aller Munde. 100 Jahre Odol 

ZU DEN PUBLIKATIONEN

Objekt-Recherche

Datenfeld "Konvolut": Odol-Archiv im Deutschen Hygiene-Museum

SAMMLUNG ONLINE

Sammlungsbereich Körperwissen

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gewinnen Präventionskampagnen, die über Krankheitsrisiken aufklären und  Gesundheitsempfehlungen geben, eine immer größere Bedeutung. Mit Plakaten und Broschüren, mit Filmen und Ausstellungen, mit Vorträgen und Handzetteln sollen unterschiedliche  Adressatengruppen erreicht werden. Mit Ausstellungen und Lehrmitteln wie anatomische Modelle, Moulagen, Präparate, Lehrtafeln, Lichtbildern und Filmen  war auch das Deutsche Hygiene-Museum von 1912 bis 1990 maßgeblich an großen Kampagnen beteiligt. Die im Sammlungsbereich Körperwissen versammelten Objekte dokumentieren retrospektiv die bedeutendsten Präventionsthemen der letzten 100 Jahre wie etwa Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und Aids, Krebs, Ernährung und Bewegung, Drogen und Sucht. Über ihren unmittelbaren historischen Zweck hinaus geben diese Medien und Kampagnenprodukte Aufschluss über die Diskures über den Körper als Schnittstelle zwischen Individuum und Gemeinschaft .


Ausgewählte Spezialsammlungen / Konvolute:

If you think this looks dangerous, try doing it without a condom (Du findest, dass das gefährlich aussieht? Dann versuch’s mal ohne Kondom.)

Plakat, Pi Kappa Phi Foundation (Hrsg.), USA, um 1990

INTERNATIONALE AIDS-PLAKATSAMMLUNG

Mitte der 1980er Jahre forderte der HI-Virus weltweit ein bis dahin unvorstellbare Auseinandersetzung mit Tabuthemen wie Homosexualität oder dem Gebrauch von Kondomen. Es ging um eine angemessene Kommunikation über eine unheilbare, tödliche Infektionskrankheit, um Sexualität, Ängste und Sterben – und um die Vermeidung einer Massenpanik und der damit einhergehenden Ausgrenzung Betroffener. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen wurde das Plakat als zentrales Aufklärungsmedium gewählt: AIDS-Plakate mit ihren Text- und Bildbotschaften sind seit Jahrzehnten im urbanen Raum präsent. Es sind Zeitdokumente mit hohem Auswertungspotenzial. Die AIDS-Plakatsammlung des Museums ist aus diesem Grund international ausgerichtet und umfasst aktuell etwa 10.000 Plakate aus 147 Ländern, die den gesamten Kampagnenzeitraum repräsentieren und ständig erweitert werden.

 

Forschungsprojekt

Die Bildsprache von ausgewählten Plakaten wurde 2013/2014 im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht.

AIDS als globales Medienereignis. Plakate und ihre Bildsprache im internationalen Vergleich
ZUM FORSCHUNGSPROJEKT

 

Sonderausstellung

Die Ergebnisse dieses Froschungsprojektes gingen 2015/2016 in eine Sonderausstellung mit Begleitpublikation ein.

AIDS. Nach einer wahren Begebenheit
ZUR SONDERAUSSTELLUNG
ZU DEN PUBLIKATIONEN

 

Objekt-Recherche

Datenfeld "Konvolut": Internationale Aidsplakatsammlung
SAMMLUNG ONLINE

Ein freistehender Körper im 9. Schwangerschaftsmonat, Dresden, um 1880

Sammlung Anatomisches Panoptikum

Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und seines Freundeskreises hat das Museum im Jahr 2009 einen repräsentativen Teil einer historischen Jahrmarktsschau mit Modellen zur Anatomie des Menschen - darunter auch ein Modell „Gläserner Mann“ aus dem Jahre 1935 – sowie Moulagen, Lehrtafeln und Präparaten erworben. Zentral für das Panoptikum sind die mehr als 200 Körpermodelle aus Wachs, die mit ihren raffinierten Körperinszenierungen, ihren spektakulären Blicken auf und in den menschlichen Körper seit Ende des 19. Jahrhunderts sowohl das Bedürfnis nach Vermittlung medizinisch-naturwissenschaftlicher Erkenntnisse als auch dem Wunsch nach Unterhaltung bedienten.

Das Museum war auf diesen sehr seltenen Objektbestand durch einen am 22. Juni 2007 in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienenen Artikel der Journalistin Heidrun Hannusch aufmerksam geworden, die über die Dresdner Wurzeln dieses Panoptikums und über die Verkaufsabsichten seiner damaligen Besitzer berichtet hatte. Zum Sammlungskonvolut zählen auch ergänzende Objekte zur Geschichte dieses Panoptikums wie Fotografien, Plakate, Kataloge, Bücher, Postkarten und Briefe.
Dieses Konvolut bildete den zentralen Objektbestand für die Sonderausstellung "Blicke! Körper! Sensationen! ", die 2014/15 zu sehen war.

 

Sonderausstellung
Blicke! Körper! Sensationen! Ein anatomisches Wachskabinett und die Kunst
ZUR SONDERAUSSTELLUNG


Ausstellungspublikation
Blicke! Körper! Sensationen! Ein anatomisches Wachskabinett und die Kunst
ZU DEN PUBLIKATIONEN
 

Objekt-Recherche
Datenfeld "Konvolut": Sammlung Anatomisches Panoptikum
SAMMLUNG ONLINE

SAMMLUNG GESUNDHEITSFILME

Diese Spezialsammlung umfasst Aufklärungsfilme und Gesundheitsspots, die vorrangig zwischen 1915 und 1990 entstanden sind und größtenteils vom Deutschen Hygiene-Museum in Auftrag gegeben wurden. Die meisten der Filme stammen aus der DDR und wurden in den DEFA-Studios produziert. Klassiker wie "Krebs" aus dem Jahre 1930 oder "Mann und Frau intim" aus dem Jahre 1984 gehören ebenso dazu wie Gesundheitsspots aus der Werbesendung „Tausend Tele-Tips“ im Fernsehen der DDR.

Die Filme bilden die vermutlich umfangreichste, wenn auch nicht vollständige Sammlung zum institutionellen Gesundheitsfilm in der DDR. Mit Abschluss des in den Jahren 2007/2008 durchgeführten Projekts "DEFA-Gesundheitsfilme als wichtige Quelle deutscher Geschichte. Sicherung und Erschließung des Filmbestands des Deutschen Hygiene-Museums Dresden" (in Kooperation mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin unter Förderung der DEFA-Stiftung und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen) sind u.a. ausführliche Filmografien, Verweise auf Beteiligte, Auftraggeber und Entstehungshintergründe dokumentiert und online abrufbar. Die wissenschaftliche Erschließung und die Filmbeschreibungen wurden von Uta Schwarz (Köln) geleistet. Digitalisiert liegen die Filme sowohl im Deutschen Hygiene-Museum als auch im Bundesarchiv-Filmarchiv für Nutzer bereit.


Publikation
Kamera! Licht! Aktion! Filme über Körper und Gesundheit 1915 bis 1990

ZU DEN PUBLIKATIONEN


Online-Recherche

Suchbegriff: Film

SAMMLUNG ONLINE

Blicke hinter die Kulissen

Wachsmodell eines Mannes mit geöffnetem Torso. Im Hintergrund das Depot mit Regalen, in denen Sammlungsobjekten stehen.
Wachsmodell eines Mannes mit geöffnetem Torso. Im Hintergrund das Depot mit Regalen, in denen Sammlungsobjekten stehen.