Wortlaut des Interviews von Prof. Dr. Klaus Töpfer

Dort, wo sich das Klima wandelt, steigt Armut, werden Spannungen größer, verlieren Menschen Heimat.
Das hat mich sehr motiviert, weiter auf diesem Gebiet zu arbeiten. Zunächst einmal sind dies Konflikte um knappe Ressourcen.
Kohle, Mineralöl und Gas werden immer begrenzter, und die Nachfrage steigt immer stärker, weil auch andere Länder, die bisher abgeschottet waren gegenüber den wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten, angetreten sind, Armut zu beseitigen. Und wir wissen, wie dringlich dies ist, wenn wir eine friedliche Welt haben wollen.
Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass das neue Wort für "Frieden" "Entwicklung" ist, nachhaltige Entwicklung.
Das heißt, dort sind die Knappheiten, dort gibt es Verteilungskonflikte.
Schon heute sind viele der Meinung, dass der Zugang zu knappen Ressourcen Ursache vieler Spannungen, Konflikte und auch Kriege ist. Die jüngsten Ereignisse in dieser Welt haben das ja sicherlich bestätigt.
Also, darum geht es.
Wo der Klimawandel Existenzmöglichkeiten nicht mehr sichert, wo Menschen nicht mehr leben können, weil die Natur es nicht mehr hergibt, weil Regenfälle ausbleiben, weil extreme Wettersituationen oder steigende Meeresspiegel sie vertreiben, werden wir Klimaflüchtlinge bekommen, die ganze Gesellschaften destabilisieren können und weit darüber hinaus Destabilisierung und Konflikte verursachen. So kommt als nächstes hinzu: Klimapolitik ist aktive Friedenspolitik. Überall dort entstehen Schwierigkeiten, wo unterschiedliche Ausgangsbedingungen gegeben sind.
In den Vereinigten Staaten von Amerika verbraucht jeder US Bürger pro Jahr etwa 22 Tonnen CO2.
Durch seinen Lebensstil, durch die Tatsache, dass viele und große Autos gefahren werden, durch die Tatsache, dass die Häuser nicht isoliert sind, dass die Energieeffizienz niedrig ist. In Indien verbraucht jeder Einwohner gerade eine Tonne.
In Afrika vielleicht 0,3 Tonnen.
Sie können nicht davon ausgehen, dass jetzt diejenigen, die bisher überhaupt keinen Nutzen davon hatten, hingehen und sagen "Na, jetzt machen wir gar nichts mehr!"
Sondern die Schwierigkeit ist, dass die vorangehen müssen, die auch das Problem mit geschaffen haben, die dadurch auch die wirtschaftlichen Vorraussetzungen haben und die technischen Möglichkeiten. Dieses aber durchzusetzen, kratzt an Besitzständen.
Da muss man dazusagen, dass unser westlicher Lebensstil, der Lebensstil von 20, vielleicht 25% der Weltbevölkerung, kein Exportartikel ist.
Wir müssen diesen Lebensstil verändern, damit andere Armut überwinden können.
Dies sind, auch und gerade in Demokratien, schwer zu vermittelnde Veränderungsnotwendigkeiten, die ja gar nicht negativ sind, sondern die sehr viele neue Chancen für ein erfülltes Leben mit sich bringen.