Die Ausstellung Scham mit der Statue des nackten griechischen Dichters Anakreon im Zentrum des Bildes. Im Vordergrund rechts eine farbige Videoprojektion. Links und im Hintergrund Exponate zum Thema Scham.

Die 100 Gründe

Scham und Norm

 Von Geburt an wird der Mensch betrachtet, vermessen, gewogen, zu- und eingeordnet. Die Wissenschaften analysieren und vergleichen diese Daten, um zu definieren, was als normal und gesund gelten soll. Übrig bleibt die Scham. Sie entsteht aus dem Gefühl heraus, solchen Erwartungen nicht zu genügen oder zu sehr von ihnen abzuweichen. Scham verbindet den Einzelnen mit der Gemeinschaft darum auf doppelte Weise: Zum einen motiviert sie uns zum Handeln im Wunsch dazuzugehören, zum anderen verhindert sie manchmal, dass wir uns anderen gegenüber überhaupt öffnen.

angeblickt werden +++ Erröten+++ vermessen werden +++ Babyspeck +++ nicht normal sein +++ krummer Rücken +++ schiefe Nase +++ krank sein ++ Hautausschlag +++ BMI +++ sich frei machen +++ durchleuchtet werden +++ Anfassen +++ Masturbieren +++ verliebt sein +++ Intimbereich

Scham und kulturelle Verschiedenheit

Auch wenn das Gefühl der Scham wohl universell ist, sind seine Ausprägungen je nach Zeit, Kultur und Religion sehr unterschiedlich. Insbesondere der nackte Körper, seine Ausscheidungen und seine schwer beherrschbare Triebhaftigkeit führen zu immer wieder anderen Formen, mit der Scham umzugehen. Scham ist darum das soziale Gefühl schlechthin, das den Umgang der Menschen miteinander begleitet und regelt, häufig unterhalb der Oberfläche des offen Gesagten.

Spannen +++ neugierig sein +++ fremde Sitten +++ Entschleiern +++ respektlos sein +++ Unverständnis +++ versteckte Kamera +++ Stuhlgang +++ nackt sein +++ kurze Röcke +++ ausgestellt werden +++ Erektion +++ Impotenz +++ eingeweiht werden +++ im Mittelpunkt stehen +++ Gesichtsverlust +++ keine Stimme haben +++ Lästern + verletzte Ehre +++ Indiskretion +++ Sünde +++ Schuldgefühl +++ geschändet werden +++ das Allerheiligste +++ Nächstenliebe

Scham, Stolz und Identität

Scham und Identität sind nicht voneinander zu trennen. Unser Bild von uns selbst ist nicht nur von biografischen Erlebnissen beeinflusst; auch der Stolz auf oder die Scham über Geschehnisse in der Gruppe oder der Nation, der man sich zugehörig fühlt, spielen eine wichtige Rolle. Immer geht es dabei um die Überschreitung von Grenzen: Was ist richtig, was angemessen oder erlaubt? Die Scham ist darum oft mit einem Gefühl der Unverhältnismäßigkeit verbunden, bei der das Menschliche auf der Strecke bleiben kann.

Geheimnisse +++ Familie +++ Fremdgehen +++ Stolz +++ Vergessen +++ Altern +++ Kontrolle +++ versagte Anerkennung +++ Starrheit +++ schlechte Witze +++ Grenzüberschreitung +++ deutsch sein +++ Erinnerungskultur +++ Hass +++ Bigotterie

Scham und Beschämung

Manche Beobachter beschreiben unsere Gegenwart als eine schamlose Zeit. Aber nach wie vor ist die Scham ein wichtiges Instrument zur Kontrolle des sozialen Miteinanders. In einer massenmedial geprägten Kultur gewinnt ihre Funktion als sozialer Affekt sogar zunehmend an Bedeutung. Scham kann den Wunsch zu helfen ebenso aktivieren wie sie in der Lage ist, Aus- und Abgrenzung zu begründen. Innerhalb und zwischen den Kulturen kann der Zusammenprall verschiedener Formen des Schamempfindens zu schweren Missverständnissen führen. Die Möglichkeit zur globalen Verbreitung von Texten, Bildern oder Filmen in den Sozialen Medien stellt die Frage nach der Notwendigkeit einer neuen, interkulturellen Schamkultur.

Obdachlosigkeit +++ Armut +++ Helfen +++ Image-Schaden +++ Unreinheit +++ Arbeitslosigkeit +++ Sucht +++ Einsamkeit +++ Prüderie +++ Zusammenhalt +++ Demütigung +++ Blackfacing +++ Entmenschlichung +++ Shitstorm +++ Anonymität +++ große Klappe +++ Benehmen +++ Kleckern +++ Peinlichkeit +++ feine Unterschiede +++ lange Röcke +++ Cruising +++ Zivilisationsprozess +++ Lachen +++ Naivität +++ scharfe Bilder +++ Perversion +++ schmutzige Fantasien

Jenseits und Diesseits der Scham

Scham wird heute nur noch selten für ein bürgerliches und repressives Gefühl gehalten, das der freien individuellen Entfaltung entgegensteht. Aber wie wird sich Scham als doppeldeutiges soziales Regulativ in Zukunft weiter entwickeln? Wird sie zu einem normativen Instrument oder erinnert sie an die Notwendigkeit, dass auch Normen begrenzt werden sollten? Würde so einer Menschlichkeit Raum gelassen, die über alles vertraut Menschliche hinausgeht?

Verurteilung +++ Schamlosigkeit +++ Selbstdarstellung +++ Seelenmord +++ Machtmissbrauch +++ Kleinfamilie +++ Mutterliebe +++ Narzissmus +++ Unvollkommenheit +++ anders sein +++ Empathie +++ sich zum Affen machen +++ Transparenz +++ Menschlichkeit +++ Scham